Alps 2 Atlantic: Bikepacking-Abenteuer von Innsbruck nach Galicien
Von Manuela Pichler & Andreas Gumpenberger
Als Bikepacking-Newbies im Oktober von Innsbruck bis an die Atlantikküste Galiciens radeln? Das klang für uns nach einem perfekten Plan! Wir wollten den Nordwesten Spaniens erkunden, aber bloß nicht auf dem schnellsten Weg. Unser Ziel: Alles mitnehmen, was geht – legendäre Pässe, die Klassiker der Tour de France und Vuelta sowie Landschaften, die man so schnell nicht vergisst.
Die Realität der Nebensaison
Unseren ursprünglichen Plan, täglich 200 Kilometer zu fressen, haben wir schnell verworfen. Im Oktober sind die Tage kurz, die Morgenstunden zum Starten oft zu kalt und es wird früh dunkel. Doch die „Off-Season“ hatte einen unschlagbaren Vorteil: Herrlich ruhige Straßen und kaum Verkehr.
Die Route planten wir grob mit komoot. Die Basis stand fest: Über Briançon ans Mittelmeer, durch die Pyrenäen und quer durch Nordspanien. Ergänzt wurde das Ganze durch legendäre Pässe und viele „Das-sieht-auf-der-Karte-gut-aus“-Wegpunkte. Ein kleiner Tipp am Rande: Turin würden wir beim nächsten Mal weiträumig umfahren, aber der Rest war ein Volltreffer!
Licht, Schatten und der Wind
Das Wetter war auf unserer Seite: In 23 Tagen im Sattel haben wir ganze fünf Regentropfen abbekommen. Dafür machten uns heftiger Gegenwind und Sturmböen das Leben schwer. Das zehrt an der Substanz, aber wir lernten schnell: Auf jedes mentale „Down“ folgt auch wieder ein „Up“.
Obwohl wir Schlafsäcke und Isomatten im Gepäck hatten, siegte meist die Sehnsucht nach Wärme. Die kalten Abende im Oktober ließen uns fast immer nach einem Zimmer suchen. Das Schöne an der Nebensaison: Wir mussten nie lange suchen und buchten meist unkompliziert zwei Stunden vor Ankunft.
Die mentale Herausforderung
Der schwierigste Teil war für mich (Manu) anfangs der Verkehr. Nur drei Monate nach einer Hüft-OP war Stürzen für mich absolut verboten – das Risiko einer Luxation war im Hinterkopf immer präsent. Wenn Autos dann knapp an einem vorbeischießen, fährt die Angst ein Stück weit mit. Doch nach Susa wurde es entspannt: Gut ausgebaute Radstreifen und rücksichtsvolle Autofahrer machten den Weg bis nach Galicien zu einem echten Genuss.


Es sind die Kontraste, die diese Reise so besonders gemacht haben
- Geheimtipps & Klassiker: Der Col d’Echelles (Tipp der Locals), der Mont Ventoux, der Tourmalet und unser absoluter Favorit: der Col d’Aubisque.
- Stimmungsumschwünge: Alleine durch die einsamen Pyrenäen kurbeln und einen Pass später in Elizondo mitten in einem spanischen Outdoor-Konzert landen.
- Entdeckungen: Kleine Städtchen wie Mirepoix oder das Baskenland, das mit perfekten Straßen ein echtes Rennrad-Paradies ist.
- Der Moment der Ankunft: Der letzte Pass – Puerto de las Estacas de Trueba – und dann der erste Blick auf den Atlantik.
Am Ende zählen nicht die Kilometer oder Höhenmeter. Es zählen die Momente, in denen man zweifelt und trotzdem weiterfährt. Es ist immer wieder faszinierend, wie weit einen die eigenen Beine tragen können.
Die Rückreise: Ein Abenteuer für sich
Da wir unseren Trip so klimafreundlich wie möglich gestalten wollten, kam ein Flug nicht in Frage. Die Heimreise mit Bus und Zug dauerte insgesamt vier Tage – definitiv ein Erlebnis!
1. Galicien bis Oviedo (Renfe): Langsam, aber die Radmitnahme ist kostenlos und ohne Anmeldung möglich.
2. Oviedo bis Paris (Alsa Bus): Hier hilft Spanisch bei der Buchung am Schalter. Fahrräder werden mitgenommen, sofern sie in Biketaschen verpackt sind (gibt es für 15 € direkt am Schalter).
3. Paris bis Straßburg (TGV): Die Räder müssen auseinandergebaut werden. Wir haben sie mit Taschen und Verpackungsmaterial geschützt.
4. Karlsruhe bis Innsbruck: Ab hier konnten wir die Räder wieder zusammenbauen und mit Regionalzügen entspannt nach Hause fahren.
Radtaschen für Bikepacking

