Mountainbiken am Gehrenberg in Markdorf: die Geschichte des Gehro-Trails
"Weg nur für Biker", heißt es auf einem gelben Schild am Gehrenberg bei Markdorf in Baden-Württemberg. Gerade mal 25 Minuten sind es mit dem Auto vom VAUDE Hauptsitz in Obereisenbach dorthin. Da war es höchste Zeit, dass drei VAUDEler mit den Locals eine Runde am Gehro-Trail drehen. Und sich mit ihnen unterhalten. Über die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft von diesem legalen Trail inmitten von "wilden" Trails.


"Schon vor 25 Jahren gab es die Idee eines legalen Trails", sagt Ansgar, der seit Jahrzehnten mit dem MTB bei Markdorf unterwegs ist. Das sei jedoch an der Vielzahl von Waldbesitzern und dem damit verbundenen Abstimmungsaufwand gescheitert: Etwa 800 sind es am Gehrenberg.


2018 kam die Idee eines legalen Trails wieder auf. Zur Erinnerung: In Baden-Württemberg darf man auf Waldwegen unter zwei Metern Breite nur dann mit dem Fahrrad fahren, wenn es ausdrücklich erlaubt ist. Dieses Mal wollten sich die Initiator*innen auf einen einzigen Trail konzentrieren, der so verläuft, dass er möglichst wenig Eigentumsgrenzen durchschneidet. Sie fanden eine Linie durch das Gebiet eines Waldbesitzers und der Spitalstiftung der Stadt Markdorf. Für ihr Vorgehen orientierten sie sich an Freiburg. "Das lief dann relativ reibungslos", sagt Ansgar. 2019 stimmten Gemeinderat und Waldbesitzer zu, der Trail wurde gebaut und Anfang 2020 eröffnet - kurz vor Corona und dem damit verbundenem Fahrrad-Boom.


Der Gehro-Trail: für Kinder und Fortgeschrittene ein Spaß
Der Trail soll sowohl Familien mit Kindern ansprechen als auch fortgeschrittene Mountainbiker*innen. „Wir haben zum Beispiel einen hohen Drop und einen großen Table, beides kann aber einfach umfahren werden", sagt Ansgar. Immer wieder teilt sich der Gehro-Trail in eine blaue und eine rote Line auf. Bei der gemeinsamen Ausfahrt zeigt sich der Erfolg dieses Ansatzes: Die VAUDEler treffen unter anderem Dave von den Los Hackos, einer regionalen Gravity-Crew, die zum Beispiel bei der Entwicklung des VAUDE Moab Gravity Schuhs geholfen hat; aber auch Mountainbiker mit Uphill-orientierten Hardtails sind auf dem Gehro-Trail unterwegs. Er bietet Möglichkeiten abzuziehen, schlängelt sich aber auch in Anliegerkurven dahin und ist selten steil.


Um diese Vielfalt beizubehhalten, baute Ansgar den Gehro-Trail mit anderen Freiwilligen einige Male um; der Schwäbische Albverein übernahm 2020 die Schirmherrschaft. Der ist jedoch mehr auf Wanderer ausgelegt, weniger auf Trails und Mountainbiker*innen. Dementsprechend wandten sich die Trailbauer*innen an den DAV - mit Erfolg: Seit Juli 2025 hat der DAV (Deutsche Alpenverein) übernommen, genauer gesagt die Sektion Friedrichshafen. Die etwa 25 Mitglieder der MTB-Gruppe haben mindestens einen Bautag pro Jahr, an dem sie den Gehro-Trail instandhalten und MTBer*innen im persönlichen Gespräch für natur- und sozialverträgliches Biken sensibilisieren.


#natürlichaufTour - das DAV-Motto
„Beim letzten Bautag hat man gemerkt, dass die Freiwilligen das Gefühl bekamen, dass der Trail teilweise ihnen gehört. Und dementsprechend sorgfältig gehen sie mit ihm auch um“, sagt Carsten vom DAV Friedrichshafen. Die MTB-Gruppen des DAVs sind untereinander gut vernetzt, nun soll der Gehro-Trail von diesem Netzwerk profitieren, sagt er. Darüber hinaus ist bei DAV-Lehrgängen auch immer Naturschutz Thema.
Wichtig sei das DAV-Motto "#natürlichbiken": Unter anderem gilt es, die zehn Trail-Regeln einzuhalten und sich an die fiktiven Vorbildfiguren Bikehero, Chefschrauber, Dayrider, Gentleman on trail und Trailfee zu halten. Bei gemeinsamen Ausfahrten und Fahrtechniktrainings wird das Motto auf den Trails in die Praxis umgesetzt.


Die Jäger*innen hatten ursprünglich die Hoffnung, der legale Gehro-Trail würde die Mountainbiker*innen lenken und kanalisieren, sodass die wilden Trails am Gehrenberg verschwinden. Aktuell findet man in einschlägigen Apps jedoch auf die Schnelle mindestens fünf davon. Ansgar zufolge gibt es zwar„relativ wenig“ Konflikte zwischen Mountainbiker*innen und anderen Waldnutzenden - aber wenn, dann auf wilden Trails.
Gerade die in der Nähe des Gehro-Trails sieht Ansgar deswegen kritisch. Doch er sagt auch: „Die Menschen wollen nicht immer den gleichen Trail fahren und ich erreiche nun mal nie alle.“ Der DAV Friedrichshafen wird erst mal keinen von diesen Trails übernehmen. Sollten sich weitere Optionen in der Region ergeben, müsse man schauen, wer die Betreuung übernehmen kann. „Aktuell sind wir mit einem Trail voll ausgelastet“, sagt Ansgar.


Das VAUDE Fazit zum Gehro-Trail
Trails instand zu halten und zu verbessern, braucht Freiwillige. Und egal, wie attraktiv und vielseitig ein Trail ist: Gibt es weitere lohnende Trails in der Umgebung, werden Mountainbiker*innen auch die befahren. Und auch Trails mit jahrelanger Geschichte können legalisiert werden. Daher unser Appell: Schaut euch bei euren Hometrails um, informiert euch, sprecht mit lokalen Vereinen oder Initiativen, und packt bei Bautagen mit an. Nur wer sich engagiert, fährt nicht nur auf einem Trail, sondern auf "seinem" Trail.
Lasst uns also Verantwortung für unseren Mountainbike-Sport und ein gutes Miteinander in der Natur übernehmen.
Erfahre mehr darüber, wie sich lokale Initiativen für legale Trails einsetzen:
- Mountainbiken in Stuttgart: der Kessel voller Trail-Potenzial
- Die Paten: legale Mountainbike-Trails im Rems-Murr-Kreis
- The Italian Way – Trail-Entwicklung und Community-Engagement im Vinschgau
Wie ein entspanntes Miteinander auf den Trails gelingt, hat Ben auch schon im VAUDE Podcast mit Nico Graaff vom Mountainbike Tourismusforum Deutschland diskutiert.