Vrenelisgärtli - Die perfekte Einstiegs-Hochtour

Text und Bilder von Lisa Walter

 

Zwischen dem fjordblauen Klöntalersee, knirschendem Firn und einer Zeltstadt auf 2000 Metern liegen zwei Tage, in denen der Alltag einfach verschwindet.

 

Wandern ist mein Reset-Knopf: raus aus dem Büro, rauf auf den Berg, Kopf durchlüften. Diesmal führt der Weg aufs Vrenelisgärtli (2904 m) in den Glarner Alpen - eine Hochtour, die schon im Juni Höhenluft liefert, ohne technisch zu überfordern.

Die Sage vom Gärtchen

Zum Namen des Gipfels gibt es gleich mehrere Sagen. Die bekannteste erzählt von der jungen Vreneli, die oben auf dem Berg ein Blumenbeet anlegen wollte - gegen alle Warnungen, man solle den Berg nicht herausfordern. Sie setzte sich einen Kupferkessel auf den Kopf, stapfte durch Schnee und Wind und schaufelte mit bloßen Händen ein Stück Wiese frei. Doch das Wetter schlug um, dichter Schneefall setzte ein und begrub Vreneli mitsamt ihrem Gärtchen.

Noch heute liegt unterhalb des Gipfels ein fast viereckiges Schneefeld - das sogenannte Vrenelisgärtli. Es heißt, darunter schlafe sie noch immer.

Tag 1 - Vom Klöntalersee ins Base Camp

An der Haltestelle Klöntal-Plätz steige ich aus dem Bus, setze den Rucksack auf und werfe noch einen Blick zurück auf den spiegelglatten See. Dann geht es bergauf: erst über wurzelige Waldpfade, später über weite Wiesen, vorbei am Alphüttendorf Chäseren, und durch eine steile Flanke neben einem rauschenden Wasserfall.

Drei Stunden später taucht keine Hütte, sondern ein provisorisches Base Camp auf: 19 bunte Expeditionszelte, eine Küchenjurte und ein weiter Blick in den Sternenhimmel - ein bisschen Himalaya-Feeling mitten in den Glarner Alpen.

 

Info: Die Glärnischhütte wurde 2023 renoviert und als Übernachtungsmöglichkeit stand das provisorische Base Camp zur Verfügung. Seit 2024 wird wieder in der frisch renovierten Hütte übernachtet.

Tag 2 - Über den Glärnischfirn zum Gipfel

05:15 Uhr. Stirnlampe an. Über Blockmoränen geht es hinauf auf den Glärnischfirn. Die Steigeisen klicken, das Eis knirscht unter jedem Schritt. Der Himmel färbt sich langsam von Grau zu Gold.

7:30Uhr. Schwander Grat. Eine stählerne Kette sichert die Schlüsselstelle; ein paar ruhige Züge, dann legt sich der Grat zurück.

8:45Uhr. Gipfel. Unter mir liegt der Klöntalersee wie eine Pfütze in der Tiefe, weiter nördlich schimmert der Zürichsee. Ich gieße Tee in den Becher, breche ein Stück Schokolade ab und schaue einfach nur.

Der Abstieg folgt derselben Route. Zurück im Camp gibt es Kaffee, danach ein letzter Blick auf die bunten Zelte.

Packliste - alles, was wirklich nötig ist

·       Rucksack 38 L - genügend Platz für Steigeisen & Snacks

·       Regenjacke - weil das Wetter in den Bergen schnell umschlagen kann

·       Steigeisen - bei Gletscherüberquerung nicht wegzudenken

·       Klettersteigset - für die Kettenstelle und Sicherung am Grat

·       Wanderschuhe - unbedingt Kategorie B/C wählen

Warum genau diese Tour?

·       Frühsommer-Firn: Im Juni liegt der Firn oft kompakt - das macht es ideal für Einsteiger:innen

·       Kurze Anreise: Ab Zürich in gut zwei Stunden am Klöntalersee

·       Einsteiger-Hochtour: WS-Schwierigkeit, aber trotzdem echtes Hochgebirgs-Feeling